08.12.2017

„Meine Nordschleife“: Marcel Manheller

Marcel Manheller weiß, wovon er spricht. Unweit des Nürburgrings ist der 28-Jährige aufgewachsen. In Döttingen zuhause, hat Manheller Benzin im Blut. Die legendäre Strecke in der Eifel ist seine zweite Heimat. Manheller kennt sich aus auf der 24,385 Kilometer langen Kombination aus Grand-Prix-Kurs-Kurzanbindung und Nordschleife. Mit dem BMW 325i von Manheller Racing holte er in der VLN-Saison 2017 mit wechselnden Teamgefährten vier Siege in der Klasse V4. Dank dieser Erfolge wurde der Lokalmatador Dritter in der Meisterschaftstabelle.

„Der Spaßfaktor und der Reiz sind sehr hoch. Es ist keine normale Rundstrecke. Mich erinnert es immer ein bisschen an Rallye fahren. Es ist nie gleich. Der Verlauf ändert sich ständig. Vom Wetter mal ganz abgesehen. Mal ist an der Döttinger Höhe trocken, dann ist es am Adenauer Forst schon wieder nass“, sagt Manheller über den Eifelkurs. Nachfolgend geht er ins Detail. Wo sind die besonderen Punkte der Strecke, welche Abschnitte bleiben dem Piloten im Gedächtnis haften, und warum? Manheller klärt auf:

Der Lieblingsabschnitt: Da muss ich nicht lange überlegen. Das ist ganz klar der Bereich ab Hohe Acht über Wippermann bis zum Brünnchen. Da geht mir das Herz auf. Da steigt der Pulsschlag. Auf dem Abschnitt kann ich das Auto härter rannehmen als sonst. Ich kann mit dem Auto wie bei einer Rallye über die Curbs cutten.

Der Abschnitt, an dem man womöglich die meiste Zeit verlieren kann: Das ist eine gute Frage. Eigentlich kannst du überall Zeit verlieren. Wir haben mit dem BMW ja nicht den Speed wie mit einem GT3-Auto. Wir fahren immer auf Schwung und auf der letzten Rille. Du kannst überall richtig was liegen lassen. Wenn du zum Beispiel im Bergwerk die Kurve nicht richtig mit Schwung erwischst, danach kommt die sehr lange Gerade, eine Bergauf-Passage, das kostet dich ohne Ende Zeit. Da sind ein, zwei Sekunden weg, wenn es einen raushebelt. Das gilt in ähnlicher Art und Weise auch für Wippermann und natürlich für Hatzenbach.

Der Abschnitt, bei dem man vor allem auf nasser Strecke auf der Hut sein muss: Da kann ich aus eigener leidvoller Erfahrung was zu sagen: Im Schwedenkreuz vor der Aremberg-Kurve hatte ich bei VLN 10 im letzten Jahr einen ordentlichen Abflug. Da passe ich jetzt immer genau auf, dass mir das nicht noch einmal passiert, wenn ich da vorbei rase. Da habe ich auf nasser Strecke den Bremspunkt leider verpasst. Mein ABS im BMW war ausgefallen und dann habe ich neben der Ideallinie angebremst und ich bin infolgedessen geradeaus in die Leitplanke gerauscht. Das Rennen war für mich in dem Moment natürlich vorbei. Immer wenn ich jetzt da vorbei fahre bei Regen, muss ich daran denken.

Der Abschnitt, an dem man mal Zeit zum Durschnaufen hat: Die langen Geraden an der Döttinger Höhe und am Bergwerk. Da kann ich durchschnaufen und pausieren, da bekomme ich nicht so viel Speed drauf wie an den anderen Abschnitten. Da hat man kurz Zeit, mal ein paar Informationen an die Box zu funken, oder schnell was zu trinken. Und vor allem wieder ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Dabei sollte man aber auf keinen Fall die Spiegel links und rechts aus den Augen lassen. Ansonsten hat man urplötzlich einen schnelleren Kontrahenten im Kofferraum sitzen. Abschalten ist ohnehin auf der Nordschleife ein Ding der Unmöglichkeit.

Der Abschnitt, an dem der Adrenalinspiegel am höchsten ist: Schwedenkreuz selber. Wenn man da mit 200 Sachen drüber fliegt, davor hat man als Fahrer am meisten Respekt. Das bleibt bei jedem Mal. Man weiß halt nie, was nach der Kuppe kommt. Ob da Betriebsmittel auf der Strecke liegt? Ist es schmierig? Man kann das folgende sehr schlecht einschätzen, muss man das Auto abfangen, oder nicht? Hoffentlich geht alles gut, denkt man sich da immer. Es ist wirklich eine Fahrt ins Ungewisse. Das macht den Reiz da aber auch aus. Auch die Fuchsröhre ist ein Abschnitt, an dem man sich sicher immer überwinden muss.

Der härteste Bremspunkt: Die Aremberg-Kurve nach dem Schwedenkreuz ist sehr anspruchsvoll, vor allem im nassen. Wenn man da mit Vollgas ankommt, muss der Bremspunkt genau passen. Du kommst mit viel Geschwindigkeit aus dem Schwedenkreuz und musst an der Stelle dann rechts in die Fuchsröhre einbiegen. Bisher ist mir das aber in der Regel sehr gut gelungen. Außer bei dem einen Abflug. Auf der Spitzkehre nach Start und Ziel muss man auch stark herunterbremsen. In der Bergab-Passage Breitscheid ist die Bremse ebenfalls stark gefordert.

Wo man am meisten Risiko gehen muss, um schnell zu sein: Das ist meiner Meinung nach der Abschnitt oben am Galgenkopf, am kleinen Karussell. Da raus, genau den Einlenkpunkt zu treffen, und dann auf die Ideallinie zu kommen, das ist für mich eine echte Herausforderung. Insbesondere, weil an dieser Stelle nicht so viel Auslaufzone vorhanden ist. Wenn man da etwas danebenliegt, hängt man links schon im Grünen.

Stellen, die sich zum Überholen eher nicht eignen: Dazu gehört definitiv das schnelle Geschlängel im Stefan-Bellof-S. Wenn du da Stoßstange an Stoßstange nach Pflanzgarten reinfährst, ist es nicht möglich zu überholen. Da geht dir die Strecke aus. Und am Hatzenbach, bei den vielen, engen Kurven hintereinander. Da hält man sich besser vom Vordermann ein bisschen fern. Man lässt sich ja auch immer etwas Luft, und wenn man da reinsticht, trifft man vielleicht den anderen und dann ist das Rennen für beide gelaufen. Es kommt aber auch auf die jeweilige Situation an. Dafür entwickelst du mit der Zeit ein Gefühl, was machbar ist, oder ob es knallen würde.

Der stimmungsvollste Abschnitt: Da gibt es für mich keine zwei Meinungen. Das ist sicher der Abschnitt am Brünnchen und Pflanzgarten. Da sind die meisten Fans, da bekommt man das als Fahrer auch am ehesten mit. Man sieht die Menschen im Augenwinkel jubeln und mitfiebern, einmal war auch ein Feuerwerk da. Das ist schon richtig cool. Vor allem in der Einführungsrunde kann ich mir das in Ruhe anschauen, danach leider nicht mehr. Aber der Abschnitt ist das Highlight, was die Stimmung angeht.