06.12.2017

Fahrzeugvergleich: V5-Cayman cs. Gruppe-H-Elfer

Aber auch unter Markenkollegen gibt es teilweise gravierende Unterschiede. Ein Porsche ist nicht wie der andere. Wir haben zwei Exemplare mal genauer unter die Lupe genommen. Da ist zum einen der Porsche Cayman 981 vom Team PIXUM Adrenalin Motorsport, der in der Klasse V5 startet, und zum anderen der Porsche 997 GT3 Cup von TAM-Racing, der nach seinem Breitbau-Umbau in der Klasse H4 angesiedelt ist.

„Wir wollen tollen Motorsport betreiben und benötigen viele Starter, um möglichst viele Punkte zu bekommen, und dann eine Chance in der Meisterschaft zu haben. Die Leute haben sehr viel Spaß in dem Auto, auch wenn es im Prinzip nicht so viel Leistung hat. Man hat den Wettbewerb mit gleichen Fahrzeugen, es kommt mehr auf den Fahrer an, als in verschiedenen anderen Klassen“, sagt Teamchef Matthias Unger zum Einsatz des 275 PS starken PIXUM Cayman, der einen 2,7 Liter Sechszylinder Boxermotor und ein Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe hat. Er beschleunigt von null auf hundert km/h in 5,4 Sekunden bei einer Höchstgeschwindigkeit von 266 km/h. „Wir haben ihn als Neuwagen gekauft. Da kostet das Auto 50.000 Euro ohne MwSt. Dazu kamen für 35.000 Euro Teile, welche in zirka 350 Arbeitsstunden eingebaut wurden. Wir reden von Herstellungskosten von 100.000 Euro netto. Das ist eine wahnsinnige Zahl für einen Produktionswagen“, führt Unger weiter aus.

Das Auto hat eine Sicherheitszelle eingebaut, eine komplett veränderte Auspuffanlage, ein Renn-Fahrwerk, eine elektrische Löschanlage und Notausschalter, Sechs-Punkt-Gurte, einen Recaro-Rennsitz und eine leichte Batterie, um auf das Gewicht zu sparen. Mit dem neuen Lenkrad können die dynamischen Stabilitätsprogramme bedient werden. „Das ist ein teures Gimmick, das in den V-Klassen ansonsten eher selten vorhanden ist“, so Unger. Im Rahmen der Möglichkeiten wurde die Bremsanlage aufgerüstet. Das Auto wiegt vollgetankt 1.347 Kilogramm mit einem Tankvolumen von 70 Litern. Das Getriebe, der Motor, alle Karosserie-Teile, die ganze Elektronik und auch die Achsteile sind original. Das Auto kann in der VLN-Variante konstant unter 9:30 Minuten fahren. Die beste Rundenzeit war 9:18 Minuten.

„Die Bremse packt gut zu und das Auto ist sehr gut im Kurveneingang. Ein Mittelmotor-Konzept ist in High-Speed-Kurven sehr schwierig im Grenzbereich zu handhaben. Nur wenige Fahrer können mit diesem Auto unter 9:20 Minuten fahren. Viele denken, wunderbar, mit dem Porsche Cayman ist es einfach in der Klasse vorne mitzufahren, oder das Auto ist überlegen. Aber, das Auto ist für jeden erst mal schwierig. Es ist sehr fahrbar, bis zu gewissen Rundenzeiten. Wer eine 9:40 fährt, für den ist das Auto super. Wenn man unter 9:20 fahren will, kommt man in einen schwierigen Bereich“, erklärt Unger.

Noch etwas mehr auf der Brust hat der von Christoper Gerhard und Ralf Schall gesteuerte Gruppe-H-Porsche aus dem Jahr 2008. Er hat eine Leistung von 490 PS mit einem Hubraum von knapp 4,0 Litern Hubraum. Die maximale Drehzahl liegt bei 8.500 U/min. Die schnellste Rundenzeit in der VLN war 8:24 Minuten. Der Wagen wurde in 2015 gekauft und von TAM-Racing umgebaut. „Es gab zwei Gründe, das Auto nicht in dem normalen, schmalen Cup-Zustand zu lassen. Wir hatten aus den Jahren 2014 und 2015 im Carrera Cup noch viele gebrauchte Reifen übrig. Die Dimension dieser Reifen aus dem 991 passten nicht drunter. So konnten wir das Kontingent nutzen und Budget sparen“, berichtet Gerhard und fügt hinzu: „Der angenehme Nebeneffekt war, dass du auf der Strecke ähnlich wie ein aktuelles Cup-Auto wahrgenommen wirst. Der aktuelle 991 ist ja von Hause aus breiter. Mit dem bulligeren Auto haben wir also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.“

Umbaurelevant entstanden Kosten von zirka 30.000 Euro. Die Teile für die Verbreiterung von ZIM-Speed kosteten mit Lackierung 10.000 Euro. Hinzu kam der Umbau von zehn Sätzen Felgen für 10.000 Euro und eine Schalteinheit von Holinger für 7.000 Euro, damit das Fahrzeug auch eine Lenkradschaltung hatte. Dazu natürlich sehr viele Arbeitsstunden weil das Auto, zusätzlich zum Umbau, komplett revidiert werden musste. Weil die Revision andernfalls zu teuer gewesen wäre, wurde im letzten Winter ein neues Holinger-Getriebe verbaut. „Im Grunde genommen haben wir das Auto nur verbreitert. Es hat breitere Felgen, mit den aktuellen Cup-Reifen. Wir haben vorne 27er und hinten 31er Michelin-Reifen, wie die Autos in der Cup2-Klasse auch. Die dreiteiligen Felgen mussten so verbreitert werden, dass man die Reifen fahren kann. Die Karosserie musste logischerweise verbreitert werden, so dass die Räder drunter passten. Aber alles andere unten drunter, die Radträger, die Antriebswellen, das Nordschleifen-Fahrwerk, sogar die Bremse ist standardmäßig. So gesehen ist das Auto nicht stark modifiziert. Wir haben noch einen größeren Flügel sowie Splitter und Diffusor montiert, um ein bisschen Aerodynamik zu haben“, sagt Gerhard und erklärt: „Unverändert ist das Auto fünf bis zehn Sekunden langsamer als ein aktuelles Cup2-Auto. So sind wir etwa auf Augenhöhe. Die Ergonomie im Pedalbereich ist nicht ganz optimal, weil damals wurde halt mit rechts gebremst. Ansonsten ist das Fahrzeug vom Verhalten und der Rückmeldung sehr gut. Es ist ein richtig geiles Auto.“