06.10.2017

Meisterschaftsanalyse vor VLN8: Einsatz für die Streicher

Marcel Manheller fährt eine fantastische VLN-Saison. In der V4 beendete er alle Rennen in den Top 3, holte sogar drei Siege. Trotzdem wird es für ihn am Ende voraussichtlich eng.

Die VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring präsentiert sich in dieser Saison enorm spannend. Nach sieben Rennen steht fest, dass die Entscheidung um den Meistertitel womöglich sogar erst beim Finale am 21. Oktober fällt. Keinem Fahrer ist in der weltweit größten Breitensportserie 2017 ein Durchmarsch gelungen, niemand konnte in seiner Klasse alle Siege für sich verbuchen.

Die VLN ist eine Breitensportserie, wenngleich auf höchstem Niveau. Um diesen Charakter zu stärken, kommen auch in diesem Jahr zwei Streichergebnisse zur Anwendung. Meister werden können, soll auch derjenige, der sich unter Umständen nicht alle Rennen leisten kann oder einmal beruflich verhindert ist.
Nach sieben Rennen führt Marcel Manheller im BMW 325i des gleichnamigen Teams die Fahrerwertung an. Der 28-jährige Lokalmatador aus Döttingen unweit des Nürburgrings hat 2017 alle Rennen in der hart umkämpften Produktionswagenklasse V4 (bis 2.500 ccm Hubraum) auf dem Podium beendet, drei sogar gewonnen. Damit sammelte er bislang die meisten Punkte und führt die Fahrerwertung an. Der Vorsprung ist allerdings hauchdünn, nur 0,04 Punkte.

Ihm dicht im Nacken sitzen Moritz Kranz, Hamza Owega und Alex Schula, die in der Klasse der Cayman GT4 Trophy by Manthey-Racing für Mühlner Motorsport am Start sind. Das Trio hat zweifelsohne Rückenwind, denn vorzeitig sicherten sie sich den Titel in der Porsche-eigenen Cup-Wertung. Hier liegen sie schon nach sieben Rennen uneinholbar in Führung. Kranz, Owega und Schula holten ihrerseits fünf Klassensiege. Problematisch ist aber, dass ihre Klasse mit acht Gegnern im Schnitt deutlich schlechter besetzt ist als beispielsweise die V4 mit durchschnittlich 17 Fahrzeugen. Hier sind – gemäß der bewährten Punkteformel, gemäß dem Motto „Viel Feind, viel Ehr“ – erheblich mehr Punkte zu holen.

Die Streichresultate eingerechnet, tritt Vorjahresmeister Michael Schrey erneut ins Rampenlicht. Der BMW-Pilot bestreitet die Saison 2017 im Alleingang in der BMW M235i Racing Cup-Klasse. Nach zwei herben Rückschlägen zu Jahresbeginn hat sich der 34-Jährige aus Wallenhorst bei Osnabrück mittlerweile richtig eingegrooved: Fünf Klassensiege in Folge sprechen eine deutliche Sprache. Und wie schon 2016 ist die BMW-Cup-Klasse von allen VLN-Klassen am besten besetzt, im Schnitt mit 18 Fahrzeugen. So ist es zu erklären, dass Schrey eindeutig die Titelverteidigung im Visier hat. Allerdings darf er sich keinen Fehler mehr erlauben. Wenn er um den Meistertitel ein Wörtchen mitreden will, benötigt er noch zwei starke Ergebnisse. „Nach unserem Pech zu Saisonbeginn war das in dieser Form nicht unbedingt so zu erwarten“, räumt Schrey ein.

Ebenfalls gute Aussichten auf den Titel haben Norbert Fischer, Christian Konnerth und Daniel Zils. Das Trio bestreitet die VLN im Porsche Cayman des Pixum Team Adrenalin Motorsport in der Klasse V5 (VLN-Produktionswagen bis 3.000 ccm Hubraum). Über weite Strecken hatten Sie das Tableau souverän angeführt, bis nach einem unverschuldeten Ausfall beim fünften Lauf der erste Nuller angerechnet wurde. Bereinigt haben sie noch alle Chancen, das Heft aber nicht selber in der Hand. Wenn Schrey weiter siegt, hat das Adrenalin-Trio das Nachsehen. Wenn Schrey hingegen patzt, haben die drei gute Karten, denn immerhin haben sie bei zwölf Gegnern im Schnitt sechsmal mit Siegen die maximale Punkteausbeute ergattert. Und da nur ein Ausfall bislang zu Buche steht, haben sie sogar noch etwas Spielraum.

Spannend gestaltet sich auch die Entscheidung in der VLN-Junior-Trophäe. Hier hat nach sieben Rennen Vorjahres-Champion Alexander Mies (GetSpeed Performance) „bereinigt“ die Nase vorn. Platz zwei belegt Thomas Jäger (Team Scheid - Honert Motorsport). Der Rückstand beträgt nur 0,76 Punkte. Mies fuhr fünf Klassensiege in der Carrera-Cup-Klasse und einen im BMW M235i Racing Cup ein. Jäger bringt es seinerseits auf fünf Top-Platzierungen, darunter zwei Siege, ebenfalls in der BMW-Cup-Klasse. Auf den Positionen drei und vier rangieren der Österreicher David Griessner (Pixum Team Adrenalin Motorsport) und der Norweger Oskar Sandberg (Securtal Sorg Rennsport).

Eine Vorentscheidung fiel beim siebten VLN-Lauf bereits in der VLN-Speed-Trophäe. Mit vier Gesamtsiegen machte in der Sonderwertung für Top-Fahrzeuge der Porsche 911 GT3 R von Manthey-Racing das Rennen. In der Trophäe werden nach Formel-1-Schema Punkte für die Top-10-Platzierten in der Gesamtwertung vergeben.

Die VLN-Produktionswagen-Trophäe führt aktuell Mannheller vor Fischer / Konnerth / Zils an. Auch hier wird sich aller Voraussicht nach, analog zur Meisterschaftswertung, das Blatt noch einmal zugunsten des Adrenalin-Trios wenden.