06.10.2017

Claudius Karch: „GT3 würde mich reizen“

Claudius Karch ist einer der Durchstarter in der VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring. Seit 2011 bestritt er 43 Einsätze und errang dabei 25 Klassensiege. racing news hat mit dem 46-jährigen Kfz-Sachverständigen und –Prüfingenieur über seine Erfolge gesprochen und verrät, wieso er sein Handy stets griffbereit hat.

Erinnerst Du Dich noch an Deinen ersten Klassensieg?
Da muss ich überlegen. Mein erster Klassensieg war im Oktober 2013 beim vorletzten Lauf. Da haben wir erst zum zweiten Mal unseren Cayman in der VLN eingesetzt. Zudem war es auch der Wertungsgruppensieg, so dass wir direkt nach dem Rennen bei der Siegerehrung aufs Podium durften.

Wie fühlte sich das an?
Wahnsinn, das war der Hammer. Aber nicht nur für mich selber, sondern auch für Mathol Racing. Die hatten mit dem Aston Martin und anderen Autos schon einige Klassensiege eingefahren, aber noch keinen Wertungsgruppensieg. Daher war es für uns alle eine Premiere.

Mittlerweile sind einige Klassensiege hinzugekommen. Was ist das Geheimnis Deines Erfolgs?
Ich habe eine lange Lernphase hinter mir. Man muss genau verstehen, wann man bereit ist, ein Risiko einzugehen und wann nicht. Da habe ich auch Lehrgeld zahlen müssen, aber das ist ja normal. Ein wichtiger Aspekt ist bei uns die Fahrerpaarung. Ivan und ich sind gleichschnell. Zudem ist das Team super organisiert und das Auto mittlerweile auf Topniveau. Die kleinen Kinderkrankheiten, die wir zu Beginn hatten, sind ausgemerzt.

Wird man irgendwann erfolgsverwöhnt? Wie fühlt es sich an, wenn man mal nicht auf dem Podium steht?
Das fühlt sich ehrlich gesagt richtig scheisse an. (lacht) Beim dritten Lauf in diesem Jahr haben wir den Klassensieg nur um sieben Sekunden verfehlt. Das war schon komisch. Du hast recht, man wird erfolgsverwöhnt.

Wie bist Du in die VLN gekommen?
Ich bin davor bei Mathol Racing in der RCN gefahren. Und bei meinem ersten Rennen kam ich nur eine Runde weit, bevor ich den Honda Civic am Schwedenkreuz richtig versenkt habe. Von da an war mir klar, dass Ankommen nicht so einfach ist, wie man meinen könnte. 2012 bin ich dann in der Rundstreckenchallenge mit dem Cayman gefahren und gleich Meister geworden. 2013 gab es ein neues Auto und wir hatten hin und wieder mit technischen Problemen zu kämpfen. Ich konnte den Titel leider nicht verteidigen, bin aber schon in diesem Jahr parallel auch VLN gefahren. Wieder mit einem Civic. So hat sich das entwickelt.

Ihr bewegt Euch mit dem V6-Cayman im Mittelfeld. Wie ist da die Mischung aus überholt werden und selber überholen?
In der V6 bewegst du die schnellsten Serienfahrzeuge, bist aber dennoch für die ganz großen Boliden wie GT3 oder SP7 Kanonenfutter. Aber die Leistung stimmt, um gut mitzuschwimmen. Die Disziplin in der VLN ist wesentlich besser geworden in den letzten Jahren. Am Anfang gab es häufiger mal Situationen, wo große Fahrzeuge einfach mal angeklopft haben, wenn du sie nicht vorbeigelassen hast. Vor allen die Leute in den großen Autos haben mittlerweile deutlich mehr Respekt. Gerade, wenn du mit einem direkten Konkurrenten aus deiner Klasse im Zweikampf bist, musst du auch mal Risiko gehen. Durch meine Rennen mit dem V3-Auto weiß ich aber genau, wie sich das anfühlt. Die können in bestimmten Kurven nicht einfach Platz machen und man muss ihnen Luft zum Leben lassen. Ich habe mir angewöhnt, an bestimmten Stellen wie der Fuchsröhre oder der Mutkurve den großen eindeutig zu signalisieren, dass sie sich erst einmal hinten anstellen müssen. Ich mache dann einfach die Linie zu, aber die kapieren das dann auch relativ schnell.

Dein Beruf ist eher trocken und sachlich. In Deiner Freizeit fährst Du Rennen und bist auch auf zwei Rädern ein Speedjunkie. Ist das für Dich der perfekte Ausgleich?
Mein Beruf ist an sich gar nicht so trocken. Das Problem ist eher, dass ich Büroinhaber bin und leider nicht mehr so viel rauskomme, wie ich es gerne machen würde. Da ist viel zu verwalten – Bürokram. Das Rennenfahren und auch Downhill mit dem Mountainbike ist ein toller Ausgleich. Bei beiden Sachen spielt die Technik eine große Rolle. Auch beim Mountainbike kann man sich mit dem Setup beschäftigen. Das macht mir unheimlich viel Spaß, nicht einfach nur Runden abzuspulen, sondern sich auch mit der Technik auseinanderzusetzen.

Mal ehrlich. Für das Rennenfahren muss man schon etwas verrückt sein. Aber Downhill...
Man muss sich beim Downhill genau wie beim Autorennen herantasten. Ich habe es schon nach einer Woche geschafft, mit dem Mountainbike eine schwarze Piste herunterzufahren, mit Sprüngen und allem. Da habe ich keinen Kratzer abbekommen. Auf dem Weg nach Hause bin ich dann auf den letzten Metern gestürzt und habe mich verletzt.

...also wie im wahren Leben.
Genau. Beim Rennfahren muss man verrückt sein, da gebe ich Dir recht. Aber auf der anderen Seite auch konzentriert und besonnen. Da sind wir wieder bei der Risikoeinschätzung.

Du hast in kurzer Zeit unglaublich viel erreicht. Was sind jetzt Deine Ziele? Einfach noch einmal 25 Klassensiege holen?
Ich würde gerne mal VLN-Meister werden. Da arbeiten wir dran. Wir haben kein Problem mit dem Wettkampf, aber in der V6 ist im Moment leider nicht viel los. Da kriegen wir nicht viele Punkte. Ich kann mich an Zeiten erinnern, wo ProSport, Black Falcon und Schmickler in der V6 unterwegs waren. Da gab es rundenlange Duelle mit vier oder fünf Fahrzeugen, das war richtig geil. Wir haben damals nicht jedes Rennen gewonnen, aber das war auch nicht so schlimm. Wir schauen schon jetzt, wo wir 2018 fahren werden. Cayman-Cup, V5, V6, ich kann es Dir noch nicht sagen.

Wie wäre es mit GT4?
Das wäre eine Option, allerdings weiß man noch nicht, wie sich das entwickelt. In der Cayman-Klasse ist die Konkurrenz groß. Da kommst Du nicht einfach hin und holst Seriensiege und wirst Meister. In der V5 ist die Leistungsdichte höher, aber hier hätte man die Chance, am Ende ganz vorne zu landen in Sachen Meisterschaft.

Das ist ja immer das Pokerspiel, welche Klasse wird in der kommenden Saison die stärkste...
In der V6 waren mal 20 Autos. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo die alle geblieben sind. Klar, ein M3 oder so hätte gegen die aktuellen Fahrzeuge kaum eine realistische Chance. Vielleicht sollte man auch hier überlegen, zum Beispiel mit Gewichtszuladung eine Art „Balance of Performance“ zu installieren.

Wie wäre es mal mit einem GT3-Fahrzeug? Würde Dich das reizen?
Ich warte ständig, dass mich diesbezüglich jemand anruft. (lacht) Wir spielen ja als Teilnehmer im Mittelfeld in der allgemeinen Wahrnehmung eine etwas untergeordnete Rolle. Aber, wenn ich mir anschaue, wer heute GT3 fährt, den ich zu Zeiten im V-Auto habe stehen lassen... Klar, das darf man nicht überbewerten. Aber natürlich würde mich das reizen. Ich bin schon mal in Ascari einen Audi R8 LMS gefahren. Als ich mich daran gewöhnt hatte – das war ein Hammergefühl. Es wäre natürlich eine andere Hausnummer, den auf der Nürburgring Nordschleife zu bewegen. Ich würde es einfach gerne mal probieren. Also warte ich auf bereits angesprochenen Anruf oder darauf, dass ich im Lotto gewinne.