22.09.2017

„Das hat mich Nerven gekostet!“

Es war die Szene bei VLN6. Bei einer Kollision mit Teamkollege Arno Klasen wurde der rechte Vorderreifen und die Aufhängung des Porsches 911 GT America von Frank Kräling wenige Meter vor der letzten Runde stark beschädigt. Er musste die letzten 24,8 Kilometer auf drei Rädern bis in Ziel rollen. Dort zitterten seine Mitstreiter Marc Gindorf und Chris Brück mit ihm mit. Kräling gelang der Husarenritt. Aufgrund des enormen Vorsprungs reichte es sogar für den verdienten 1. Platz in der SP7-Klasse. Für racing news schildert der Winterberger noch einmal ausführlich, emotional und in bilderreicher Sprache wie er dieses seltene Kunststück vollbrachte.

... der Unfall
Es war ein Missverständnis zwischen Arno Klasen auf dem Cup-Auto aus meinem Team und mir. Ich bin in der Hohenrain-Schikane auf einen sehr, sehr langsamen Wagen aufgelaufen. Er hat mir die Tür zugemacht, so dass ich nicht innen über den Curb überholen konnte. Er ist dann nach rechts rübergegangen, ich habe links angesetzt zum Überholen. In dem Moment, wo ich ansetze, nach links zu überholen, zieht er nach links rüber. Um ihm dann nicht ins Auto zu fahren, bin ich rechts rüber. Ich habe aber nicht mehr in den Rückspiegel geguckt. Der Arno ist in diese sich auftuende Lücke reingefahren und wir haben uns vorne jeweils am Vorderrad berührt. Er ist in mein eingeschlagenes Rad gefahren. Dabei ist bei ihm das Rad vorne links gebrochen, bei mir die Aufhängung vorne rechts. Er ist auch hinten angeschlagen, weil er über mein Vorderrad aufgestiegen ist. Im Gegensatz zu mir fuhr er direkt in die Boxengasse. Im ersten Moment dachte ich: Sch… Was soll man da auch sonst denken?! Wo kommt der her? Das letzte Mal, als ich in den Spiegel geschaut hatte, war er auf der Döttinger Höhe 300 Meter hinter mir. Durch den zu überrundenden Wagen, der so brutal langsam war, hat Arno das dann aufgeholt. Er hat aus der Hohenrain-Schikane voll rausbeschleunigt, und ich musste abbremsen, weil der Fahrer vor mir die Richtung geändert hat. Somit ist Arno volles Rohr reingefahren. Wir haben uns dann hinterher zwei Flaschen Wein gekauft und uns darauf geeinigt, dass der andere schuld war. Das ist wirklich saublöd gelaufen. Ich habe ihn nicht gesehen, und er hat nicht gesehen, dass der Wagen vor mir wieder die Fahrbahn gewechselt hatte.

... was nun?
Ich habe sofort gemerkt, dass das Auto nach rechts zieht. Dadurch, dass der Querlenker ab war, knickt das Rad nach unten ab und verkeilt sich im Radhaus. Das Auto zieht sofort ganz stark nach rechts. Ich bin weitergefahren und habe dann mit meinem Fahrzeugleiter in der Box gesprochen. Die Kommunikation verlief ungefähr so: Ich habe gefragt, was machen wir denn jetzt? Das Rad ist vorne ab. Er sagte, komm rein, wir gucken mal. Ich sagte, da brauchen wir nicht gucken, das Rad ist ab. Er sagte: Was willst Du denn jetzt machen? Ich sagte: Ich fahre jetzt weiter. Mal gucken, wie lange es geht. Wenn ich Rechtskurven fahre, geht es prima. Linkskurven sind sehr unangenehm, weil dann fängt das Rad vorne an zu schlagen, so lange das Gummi auf dem Rad noch drauf ist. Das hatte sich dann aber bei der Einfahrt auf die Nordschleife auch schon erledigt. Dann ist der Reifen geplatzt, nachdem er die ganze Zeit über den Boden geschleift ist. Ich bin einfach auf der Felge weitergefahren und habe die Bremse ein bisschen angelegt, damit das Fahrzeug rechts hochkommt. In den Rechtskurven bin ich schön schnell gefahren, dann kippt das Auto hoch und das Rad steht vorne in der Luft. In den Linkskurven hat es geschliffen wie Sau. Dass ich es noch ins Ziel schaffe, habe ich in dem Moment eigentlich nicht geglaubt, weil ich ja nicht wusste, ob der Querlenker oben oder unten gebrochen ist. Es war laut. Die schleifende Magnesiumfelge vorne, das waren unvorstellbare Geräusche. Nachdem ich die durchhatte, ist dann noch der untere Querlenker ein bisschen abgeschliffen worden. Dieses Teil aus Guss hat auch nochmal einen Zentimeter verloren. Aber, der ganze Unterboden und die Front sind komplett heil geblieben. Ich hatte den linken Fuß immer ein bisschen auf der Bremse. Das Rennauto ist so steif. Wenn es etwas Last hat, hängt er nicht mehr ganz runter.

... das Drumherum
Die haben mich alle für verrückt erklärt, als ich gesagt habe, ich fahre weiter. So eine Runde mit 14 Minuten ist endlos lang. Ich habe immer ein bisschen über Funk gesprochen und während meiner Zuckel-Fahrt erzählt, was ich gemacht habe. Meine Teamkollegen haben sich teilweise in der Box die Kopfhörer geben lassen. Ich wusste, dass der Vorsprung reichen würde, ich hatte über eine Runde Abstand. Die meisten Gegner in der SP7 fahren gegen uns mit stumpfen Waffen. Unser Ziel ist immer das schnellste nicht SP9-Auto zu sein. Das war sicher der kurioseste Sieg und der, der mich am meisten Nerven gekostet hat. Ich habe immer gedacht, was passiert als nächstes? Wenn der Unterboden aufliegt, dann wäre es vorbei gewesen. Es war nicht mehr viel Platz, aber es hat gehalten. Die Sportwarte haben mir gewinkt, teilweise die Hände über den Kopf zusammengeschlagen, den Daumen hoch gezeigt und gerufen, gib Gas. Das war schon eine spannende, witzige Runde.