15.08.2017

Uwe Alzen: Spurwechsel

Er zählt zu den schnellsten Fahrern auf der Nürburgring Nordschleife: Uwe Alzen. Nach fantastischen Erfolgen als Fahrer im Porsche, BMW und Mercedes-AMG geht der Betzdorfer jetzt neue Wege – auf der anderen Seite der Boxenmauer ...

„Nein, ich hänge noch nicht den Helm an den Nagel“, winkt Alzen ab. „Vielmehr möchte ich mich bei unserem ersten Einsatz als ‚Mercedes-AMG Testteams' darauf konzentrieren, dass alles reibungslos läuft. Bei den Rennen sechs, sieben und neun werde ich auch wieder im Cockpit Platz nehmen. So ist der Plan.“ Neben Uwe Alzen Automotive ist Black Falcon ein zweites Mercedes-AMG Testteam in der Langstreckenmeisterschaft.

Nordschleifen-Spezialist Alzen beschreitet nicht wirklich Neuland. Bereits in der Vergangenheit zeichnete er mit einem eigenen Team schon für den Einsatz von Rennfahrzeugen verantwortlich. Etwas ist diesmal dennoch neu: Sein Unternehmen Uwe Alzen Automotive handelt erstmals im Werksauftrag als Entwicklungsteam. Der Westerwälder Rennstall setzt für Mercedes-AMG einen nagelneuen GT4 ein, der im Verlauf der Saison auf der Mutter aller Rennstrecken unterschiedliche Testprogramme durchläuft, ehe er ab der kommenden Saison im Kundeneinsatz ins Rennen geht. „Ich freue mich riesig“, sagt Alzen. „Das ist ein sehr spannendes Projekt, in dem ich mich voll und ganz einbringen kann.“

Nicht ohne Grund setzt AMG auf Uwe Alzen als Test- und Entwicklungsteam. Denn kaum ein Fahrer verfügt auf der Nordschleife über einen ähnlichen Erfahrungsschatz im Spitzensegment. „Die Nordschleife ist und bleibt für mich die ultimative Herausforderung“, sagt Alzen. „Auch nach mehr als 30 Jahren wird es hier für mich nie langweilig. Es gibt weltweit keine vergleichbare Strecke, auf der man ein neues Rennfahrzeug besser entwickeln kann.“

Dass er sich mit dem neuen Projekt zum ersten Mal nicht an vorderster Front bewegt, ist für den 50-Jährigen kein Problem. „Auch ich werde nicht jünger“, sagt er. „Und auch wenn ich mich mit 50 noch dazu imstande sehe, Topzeiten zu fahren, werde ich auch in einem GT4-Fahrzeug jede Menge Spaß haben.“ Alzen kennt die Unterschiede zwischen GT3- und GT4-Fahrzeugen genau und ist von dem neuen Boliden überzeugt. „Die großen Unterschiede liegen in den Bereichen Reifen, Fahrwerk und Downforce. Die GT3-Klasse bewegt sich am oberen Limit, das sind konsequente Rennfahrzeuge ohne jeden Kompromiss. Entsprechend hoch sind auch die Einsatzkosten“, sagt er. „Im Gegensatz dazu ist die aktuelle Generation der GT4-Renner perfekt auf den Breitensport zugeschnitten. Die Autos sind nicht nur in der Anschaffung, sondern auch von den laufenden Kosten her deutlich günstiger. Und das geht nicht zu Lasten der Sicherheit. Hier bewegt man sich auf nahezu gleichem Niveau. Der Fahrspaß kommt am Ende auch nicht zu kurz.“ Für die GT4-Premiere setzt Alzen auf ein starkes Trio: Thomas Jäger, Fabian Hamprecht und Mike Stursberg bilden die perfekte Symbiose aus Profi- und Amateurpiloten.

„Unser Ziel ist, bei den verbleibenden Rennen möglichst viele Kilometer abzuspulen und Daten zu sammeln“, erklärt Alzen. „Für ein modernes Kundensportfahrzeug ist die Beherrschbarkeit und der Fahrkomfort von großer Bedeutung. Und hier haben wir die perfekte Mischung, vor allem mit den beiden Stammfahrern Fabian und Mike. Beide haben schon unzählige Nordschleifenrunden absolviert und das in unterschiedlichsten Fabrikaten und Modellen. Das wird AMG wertvolle Erkenntnisse liefern, die dann vor der Auslieferung Ende 2017 an die Kunden in die finale Entwicklung einfließen.“