22.04.2017

Christopher Brück: „Wir waren sehr schnell unterwegs“

Christopher Brück sprach im racing news Interview über Bentley, das Fahren im Continental GT3 auf der Nordschleife, den Erfolg im VLN-Auftaktrennen und das neue Bentley-Einsatzteam.

Christopher Brück, zusammen mit Christer Jöns und Jordan Pepper haben Sie im Auftaktrennen der VLN Rang zwei belegt – das beste Ergebnis für den Bentley Continental GT3 auf der Nordschleife bislang. Wie konnte das passieren?
Gute Frage. Wir waren, glaube ich, einfach gut und sehr schnell unterwegs. Zu Beginn des Jahres haben wir fünf Tage lang in Portimão getestet. Die Strecke in Portugal kann man mit der Nordschleife natürlich nicht vergleichen, aber wir haben echt viel ausprobiert, vor allem mit unserem neuen Reifenpartner Yokohama. Wir waren positiv überrascht, dass die Reifen auf Anhieb sehr gut zu unserem Auto passen. Weil die Konkurrenz beim Saisonauftakt echt stark war, haben wir nicht mit einem Podiumsplatz gerechnet. Aber am Ende haben wir den nicht geschafft, weil wir von den Ausfällen anderer profitiert hätten. Als der Falken-Porsche von der Strecke rutschte, lagen wir da ja schon auf Rang drei.

Denken Sie, dass manche Teams beim Saisonauftakt gepokert haben?
Das ist ja immer so. Die Fahrzeuge, die beim 24h-Rennen vorne waren, sind auch letztes Jahr beim ersten VLN-Rennen hinten rumgefahren. Wenn man sich dann aber mal die Rundenzeiten im Rennen anschaut, sind doch alle recht nah beieinander. Dann will doch jeder mal schauen, wo er steht.

Im Zeittraining waren 28 Fahrzeuge innerhalb von zehn Sekunden.
Es ist schwierig, das angemessen zu bewerten. Es hängt immer davon ab, wer eine richtig freie Runde hatte und wer nicht. Daher kann man am besten im Rennen sehen, wie es sich mit der Leistungsdichte verhält. Im Rennen fuhren die meisten GT3-Autos Rundenzeiten zwischen 8:08 und 8:12 Minuten.

Rein optisch wirkt der Bentley recht bullig und behäbig. Wie verhält sich das Auto aus der Sicht des Fahrers?
Das Konzept des Bentley ist dem des BMW M6 nicht unähnlich. Der BMW ist ja genauso ein Koloss, eine andere Art von GT3-Auto, vor allem im Vergleich zum Audi R8 oder zum Porsche 911. Das Auto ist sehr schnell, wir haben extrem viel Abtrieb, das macht sich vor allem auf Kursen bemerkbar, auf denen es viele schnelle Kurven gibt. Wie eben auf der Nordschleife.

Man darf sich also von der Optik nicht täuschen lassen?
Das ist eben das Konzept des Bentley Continental GT3. Viele denken, wir wären mit zwei Tonnen Gewicht unterwegs. Wir fahren aber, wie alle anderen auch, mit rund 1.300 Kilogramm. Jedes GT3-Auto hat seine Stärken und seine Schwächen. Man darf nicht vergessen, dass der Bentley Continental GT3 schon vier Jahre alt ist. Wir warten auf die nächste Generation, da soll sich noch in diesem Jahr etwas tun.

Was trauen Sie dem Bentley denn auf der Nordschleife noch zu, auch im Hinblick auf das 24h-Rennen?
Ich bin mit meiner Einschätzung eher zurückhaltend. Wenn man das 24h-Rennen ohne Zwischenfall beendet und alle Fahrer einen guten Job machen, kann man mit jedem GT3 auf eine der vorderen Positionen fahren. Wir sind letztes Jahr Siebte geworden, 2015 auf Platz acht ins Ziel gekommen. Das waren mit unseren Möglichkeiten sehr gute Ergebnisse. Es wäre vermessen, wenn ich sagen würde, dass wir um den Sieg mitfahren können. Dafür ist die Konkurrenz einfach zu groß. Wir wollen ganz sicher in die Top 10. Und dann schauen wir einfach mal, ob es noch weiter nach vorne geht. Rein vom Potenzial her können wir vielleicht auf einen Podestrang fahren.

Sie kennen auf der Nordschleife auch den Porsche 911 GT3 ganz gut.
Ich bin letztes Jahr einen Porsche 911 in der SP7 gefahren. Der Porsche hat eine sehr gute Traktion, weil der Motor auf der Hinterachse sitzt. Allerdings ist er auch ein Auto, das sich viel bewegt. Manche mögen das. Ich fahre den Porsche gerne, aber im Moment natürlich lieber den Bentley. Die Konzepte sind vollkommen verschieden. Der Bentley hat einen Frontmotor, und seine Stärken liegen in den schnellen Kurven.

Wie schwierig ist es, mit einem rechtsgelenkten Fahrzeug auf der Nordschleife zu fahren?
Daran habe ich mich relativ schnell gewöhnt. Rechts zu sitzen und sich entsprechend an die Curbs heranzutasten, dauert ein paar Runden – gerade auf der Nordschleife im Verkehr. Da muss man am Anfang abwägen, ob man in eine Lücke reinstoßen kann oder es nicht passt. Das hat ein Rennen gedauert. Seitdem ist das kein großes Ding mehr für mich.

Bentley hat eine große Historie. Was bedeutet es Ihnen, Teil des Werksprogramms zu sein?
Das bedeutet mir extrem viel. Ich bin seit 2015 dabei, mittlerweile also im dritten Jahr des Werksprogramms. Und ich fühle mich bei Bentley sehr wohl. Es ist eine außergewöhnliche Marke, etwas Besonderes und eine große Ehre. Ich habe immer links und rechts geschaut, was es sonst noch für Angebote gibt, mich dann aber immer recht schnell für Bentley entschieden. Das Sahnehäubchen war, im letzten VLN-Rennen den ersten Podestplatz für Bentley auf der Nordschleife herausgefahren zu haben.

Sie sind ein ausgemachter Spezialist der Nordschleife. Das weiß ja auch Bentley.
Es gibt auf dem Nürburgring viele schnelle Fahrer. Aber es gibt auch viele Werksteams. Ich glaube, es gibt mittlerweile mehr gute Autos als gute Fahrer. Ich habe das Fahren auf der Nordschleife von der Pike auf gelernt. Ich fahre mittlerweile mein zehntes Jahr auf der Nordschleife und habe natürlich viel Erfahrung im Verkehr. Das liegt vor allem daran, dass ich fast immer die komplette Saison fahre. Daher bin ich mit der Situation viel vertrauter als Fahrer, die nur zwei, drei Rennen im Jahr dort fahren und den Rest in der DTM oder in den ADAC GT Masters.

Die Werksautos von Bentley werden auf der Nordschleife mittlerweile von einem neuen Team eingesetzt. War das für Sie eine Umstellung?
Letztes Jahr hat Christian Abt den Einsatz geleitet, jetzt leitet ihn sein Bruder Hans-Jürgen. Die Autos stehen nun in Kempten in derselben Halle, in der auch die Audi für die DTM und die Formel E-Renner vorbereitet werden. In der DTM hat Abt ja nur noch zwei statt vier Fahrzeuge zu betreuen, dadurch sind Ressourcen frei geworden. Das Abt-Team arbeitet sehr professionell. Die Abt-Leute haben Ahnung von dem, was sie tun. Einige Mechaniker aus dem letzten Jahr sind auch 2017 noch mit dabei. Aber ich habe auch eine Reihe neuer Leute kennengelernt wie Thomas Biermaier oder Hans-Jürgen Abt. Das sind tolle Jungs, und ich fühle mich im Team sehr wohl.

Welche Herausforderungen bringt das erste Saisonrennen auf der Nordschleife für den Fahrer mit sich?
Durch den fünftägigen Test in Portimão – da sind wir extrem viel gefahren – war ich nicht kalt im Auto. Wieder auf der Nordschleife zu fahren, war kein Problem. Wir hatten freitags vor dem ersten Rennen den Test, und nach fünf, sechs Runden war ich schnell wieder in meinem Rhythmus drin.

Gibt es an der Rennstrecke signifikante Veränderungen?
Die Passage Aremberg wurde neu asphaltiert. Da ist jetzt sowohl im Regen als auch im Trockenen extrem viel Grip. Gerade bei nasser Piste war es bisher dort immer sehr knifflig. Wenn man einen Tick zu spät gebremst hat, stand man sofort im Kies. Sonst hat sich an der Nordschleife nicht viel geändert.

Die Aerodynamik der GT3-Fahrzeuge wurde für die Rennen auf der Nordschleife beschnitten. Wie nehmen Sie diese Veränderung wahr?
Naja, bei unserem Auto ist das echt okay. Ich habe nicht das Gefühl, dass es deutlich schlechter ist als im letzten Jahr. Die Performance ist kaum eingeschränkt. Wie das bei den anderen ist, kann ich natürlich nicht sagen. Zugegeben, ich hatte jetzt nicht den Eins-zu-eins-Vergleich: am selben Tag zuerst mit dem alten Flügel ein paar Runden drehen und dann mit dem neuen. Wir sind schon in Portugal mit der neuen aerodynamischen Konfiguration gefahren, und so konnte ich mich gut darauf einstellen. Der Flügel ist im Vergleich zum Vorjahr kleiner geworden. Nun muss man ihn etwas steiler stellen, um am Ende wieder den gleichen Abtrieb zu erzielen. Die neue Fahrzeughöhe ist auch kein großes Thema.

Wie haben Sie sich auf die neue Saison vorbereitet?
Als Instruktor für den European Speed Club bin ich viel in Schweden auf Schnee und Eis unterwegs. Das ist mein Nebenjob. Daher bin ich nie so richtig raus. Gerade das Winterfahrtraining ist echt gut, um die Sinne zu schärfen und die Reaktionen zu testen. Auf Eis und Schnee muss man sehr filigran und feinfühlig fahren. Daneben habe ich konsequent an meiner Fitness gearbeitet.